Sechseläuten 2021: Zürcher Frühlingsfestival auf einen Blick

19. April 2021

Im April, wenn die ersten Blumen blühen, wenn die Bäume knospen, wenn die Temperaturen steigen und die Tage länger werden, feiern die Zürcherinnen und Zürcher ihr traditionelles Frühlingsfest. Es wird Sechseläuten genannt und im lokalen Dialekt « Sächsilüüte » ausgesprochen.

Hier finden Sie weitere Informationen über den Ursprung dieser Tradition, ihre Hauptakteure und ihre Hauptmerkmale.

Sechseläuten: Geschichte

Jedes Jahr im April feiern die Zürcher Zünfte das Sechseläuten. Aber woher kommt dieser Brauch?

Die Tradition des Festivals geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Der Zürcher Vorstand, der sich damals ausschliesslich aus Mitgliedern der verschiedenen Zürcher Unternehmen zusammensetzte, beschloss, dass der Arbeitstag im Sommer eine Stunde später als im Winter enden sollte. Wegen der Lichtverhältnisse dauerten die Winterarbeitstage nur bis 17 Uhr. Im Sommer kündigten die Glocken nun eine Stunde später, um 18 Uhr, das Ende der Arbeiten an.

Anlässlich des Frühlingsanfangs wurde am Montag nach der Tagundnachtgleiche pünktlich um 18 Uhr die zweitgrößte Glocke in der Grossmünsterkirche geläutet. So wird der Frühlingsanfang seither von den Zürcherinnen und Zürchern in gleicher Weise festgelegt und gefeiert. Auch aus diesem Grund ist der Name des Festivals, wörtlich übersetzt « Glockenspiel um sechs Uhr », seit dem 16. Jahrhundert derselbe.

Gut zu wissen: Heutzutage wird das Sechseläuten nicht mehr am Montag nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche gefeiert. 1952 wurde beschlossen, dass das Festival immer am dritten Montag im April stattfinden sollte.

Ausnahme: Wenn der dritte Montag mit einer Karwoche zusammenfällt, wird das Sechseläuten am zweiten Montag im April gefeiert.

Wer ist der « Böögg »?

Die Hauptfigur des Sechseläutens ist der « Böögg », der viel mehr verbirgt, als man vielleicht denkt.

Was ist ein « Böögg »?

Das Wort « Böögg » scheint mit bösen Gestalten wie dem schwarzen Mann, dem Buhmann oder dem Werwolf verwandt zu sein. In Zürich sieht er aus wie ein Schneemann und symbolisiert den Winter. Mit dem Verbrennen des « Böögg » jagen die Zürcherinnen und Zürcher den Winter und begrüssen den Frühling.

Entstehung des « Böögg »

In einem ehemaligen Zürcher Stadtteil von der Fraumünsterkirche bis zum Bürkliplatz verbrannten die Knaben jedes Jahr zur Zeit der Frühlings-Tagundnachtgleiche ihr « Böögg », während die Zünfte Sechseläuten feierten. Manchmal waren es sogar mehrere Vogelscheuchen, die in verschiedenen Teilen der Nachbarschaft ihr Leben lassen mussten. Vor ihrer Feuerquälerei wurden die Männer oft auf einen Wagen gesetzt und von der schreienden Menge durch die Straßen gezogen.

« Böögg » und Sechseläuten

Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurden die beiden gleichzeitigen Bräuche der Sechseläuten- und Böögg-Verbrennung zusammengeführt. Die Parade der schreienden Jungen verwandelte sich in einen Kinderumzug, der heute am Sonntag vor dem Sechseläuten stattfindet. Der « Böögg » ist zum Hauptdarsteller des Frühlingsfestes geworden.

Wie aus dem « Böögg » ein Meteorologe wurde

Heutzutage ist es üblich, den « Böögg » um eine Wettervorhersage für den folgenden Sommer zu bitten. Während des Sechseläuten-Festes wird der Scheiterhaufen um genau 18 Uhr angezündet. Nach der neuen Legende gilt: Je früher das Feuer den Mann erreicht und ihm den Kopf voller Feuerwerkskörper explodieren lässt, desto besser wird der Sommer. Tatsächlich hatte der « Böögg » zu Recht auf den historischen Sommer 2003 hingewiesen: Sein Kopf explodierte in einer Rekordzeit von nur 5 Minuten und 42 Sekunden.

Sechseläuten: Zahlen und Fakten

Sechseläuten, das Zürcher Frühlingsfest – alles Wissenswerte auf einen Blick.

Fiaskos, Enttäuschungen und Rückschläge

– 1921: Ein kleiner Junge zündet früh um 13. 30 Uhr den « Böögg » an – Gerüchten zufolge soll er von Kommunisten aufgehetzt worden sein.

– 1944: Das Sechseläuten findet im Hafen von Enge statt, da die Sechseläutenwiese, auf der das Fest üblicherweise gefeiert wird, als Gemüsegarten genutzt wird. In der Folge stürzt das « Böögg » in den Zürichsee.

– 1950, 1960, 1963 und 1994: Der « Böögg » fällt vom Scheiterhaufen, bevor sein Kopf explodiert.

– 2006: Der « Böögg » wird von der Bewegung « 1. Mai, macht die Strassen frei » als Geisel genommen und taucht während des 1. Mai-Festes am Helvetiaplatz wieder auf. Nach einem weiteren Verschwinden finden wir die Vogelscheuche, die den Winter symbolisiert, im Keller einer Schule.

Das Sechseläuten wird trotzdem gefeiert: ein anderer « Böögg » ersetzt den Abgeschiedenen und bezahlt für ihn.

Korporative Prozession

3. 500 Mitglieder der Zünfte ziehen während des Sechseläutens in Volkstrachten und historischen Uniformen umher. Ihr fröhlicher Marsch wird von 350 Rittern, 50 Pferdekarren und 30 Blaskapellen begleitet.

Kinderparade

Jedes Jahr marschieren zwischen 2. 000 und 3. 000 Kinder. Sie müssen nicht Mitglieder einer Körperschaft sein, um zu marschieren. Begleitet von fast 800 Musikern tragen sie volkstümliche und historische Kostüme.

Gastkanton

Seit 1991 ist ein Kanton nach Sechseläuten eingeladen, um seine Spezialitäten auf dem Lindenhofplatz zu präsentieren. Traditionell paradieren Politiker aus dem Gastkanton als Ehrengäste.

https://www.zuerich.com/fr/visite/sechselaeuten